Pflegebedürftige Angehörige – große Verantwortung für kleine Menschen

Eine Pflegesituation ist für Betroffene und ihre Angehörigen häufig mit vielen Fragen, Unsicherheiten sowie einer hohen körperlichen und emotionalen Belastung verbunden.

Dies spüren auch die Kinder der betroffenen Familien.

Ist die Belastung durch eine Pflegesituation in der Familie zu hoch, kann dies langfristig negative Folgen auf die körperliche und seelische Gesundheit der Kinder und Jugendlichen haben und sogar zu sozialer Isolation oder schlechteren Chancen auf dem Bildungs- und Arbeitsmarkt führen.

Das Thema Pflege kann in betroffenen Familien sehr unterschiedliche Gesichter annehmen:

  • Kinder und Jugendliche, die ihre pflegebedürftigen Eltern oder Großeltern (mit) versorgen („Young Carers“)

    Junge Pflegende („Young Carers“), die diese „Mammutaufgabe“ leisten, bleiben oftmals unsichtbar. Sie sorgen im Alltag dafür, dass zu Hause alles läuft, helfen im Haushalt, erledigen den Einkauf, kümmern sich um das Essen, helfen bei der Pflege der Angehörigen – sidn zuständig für die Medikamente oder die Körperpflege. Die Kinder behalten die Finanzen im Blick und kümmern sich um ihre Geschwister.

    Diese Kinder und Jugendlichen wenden ungeahnte Kräfte auf, sind fürsorglich, organisiert, fleißig und einfühlsam. Sie funktionieren, ohne zu hinterfragen.

    Außenstehende sehen oft nicht, wie es den Kindern und Jugendlichen wirklich geht. Den Kindern fällt es schwer, über die Situation zu Hause zu sprechen.

  • Geschwisterkinder von Kindern, die mit einer Krankheit oder Behinderung zur Welt gekommen sind

    Für Eltern eines erkrankten / betroffenen Kindes ist es eine zusätzliche Herausforderung, die Bedürfnisse der Geschwisterkinder dabei nicht aus dem Blick zu verlieren. In den betroffenen Familien spielt zwangsläufig das kranke oder behinderte Kind eine prägnante Rolle. Gesunde Geschwisterkinder erfahren daher häufig weniger Fürsorge; sie stehen unter dem Druck, funktionieren zu müssen.

    Doch auch für die gesunden Geschwisterkinder gibt es Situationen, die sie besonders belasten. Was ist, wenn die gesunden Kinder Sorgen, Nöte oder Probleme haben? Können sie diese äußern oder haben sie Angst, den Eltern damit zu viel aufzubürden? Was ist, wenn andere Kinder oder Erwachsene komisch auf den erkrankten Bruder oder die Schwester reagieren? Wie können die Geschwister mit einer solchen Stigmatisierung umgehen?


Beide Situationen zeigen, wie sehr eine Pflegesituation in der Familie auch das Leben der Kinder und Jugendlichen beeinflusst. Sie fühlen sich mitunter verantwortlich, schuldig, überfordert oder vernachlässigt.

Die AOK PLUS informiert deshalb insbesondere in Schulen zu dieser Thematik. Lehrer und andere Vertrauenspersonen werden sensibilisiert, bestimmte Warnsignale der Schüler zu erkennen und die betroffenen Kinder gefühlvoll darauf anzusprechen.

Es ist wichtig, dass die Kinder ermutigt werden, über ihre Situation zu sprechen und lernen, Hilfe anzunehmen.