Jobben während des Semesters

Der Mensch lebt nicht vom Wissen allein – irgendwie muss man sich sein Studium finanzieren. Die meisten Studierenden jobben daher neben dem Studium. Wirkt sich das auf die Sozialversicherung aus?

Wer trotz Nebenjob hauptberuflich Student ist, muss meist keine Beiträge für die Pflege-, Renten- und Arbeitslosenversicherung zahlen.

Die Befreiung von der Rentenversicherungspflicht muss aber beantragt werden. Eine Krankenversicherung – entweder über die Familienversicherung oder eigenständig privat oder gesetzlich – ist dagegen weiterhin vorgeschrieben.

 

  • Studierende meist nicht sozialversicherungspflichtig

    Als „hauptberuflicher Student“ gilt jemand, der maximal 20 Stunden pro Woche arbeitet. Findet die Arbeit vor allem am Wochenende oder abends statt, darf es auch ein wenig mehr werden. Die 20 Stunden dürfen allerdings höchstens 450 € einbringen, will man sozialabgabenfrei bleiben. Bei einem Verdienst von bis zu 850 € (Gleitzone) muss der Arbeitnehmer einen verringerten Beitragssatz zu allen Zweigen der Sozialversicherung zahlen.

    Unabhängig vom Einkommen gilt die Befreiung von der Sozialversicherungspflicht auch dann, wenn 20 Stunden pro Woche überschritten werden – allerdings mit einer Ausnahme: Es ist von vornherein festgelegt, dass der Job nicht länger als drei Monate dauert. Damit wäre dann aber auch die erlaubte Arbeitszeit für das jeweilige Jahr vollständig aufgebraucht.

  • Der Studierende als Arbeitnehmer

    Wer innerhalb eines Zeitjahres (365 Tage am Stück) mehrere Jobs mit jeweils über 20 Wochenstunden ausübt und außerdem insgesamt mehr als 26 Wochen arbeitet, gilt versicherungsrechtlich als Arbeitnehmer und nicht mehr als Student. Und das auch dann, wenn zusätzlich in Vollzeit studiert wird.

  • Arbeiten in den Semesterferien

    Endlich Semesterferien! Endlich Zeit, ein bisschen Geld zu verdienen. Aber wie sieht es sozialversicherungsrechtlich aus in Sachen Ferienjob?

    Die vorlesungsfreie Zeit an Hochschulen dauert, wenn man Sommer- und Wintersemesterferien zusammenrechnet, rund fünf Monate. Arbeitest du diese Zeit durch, musst du Beiträge zur Pflege-, Renten-, Kranken- und Arbeitslosenversicherung zahlen. Die Grenze einer nicht sozialversicherungspflichtigen „kurzfristigen Beschäftigung“ liegt nämlich bei drei Monaten bzw. 70 Tagen innerhalb eines Kalenderjahres. Bleibt man darunter, entfallen die Beiträge zur Pflege- und Arbeitslosenversicherung. Von der Rentenversicherung kannst du auf Antrag befreit werden. Wie viel du innerhalb dieser Zeit verdienst, ist dabei völlig unerheblich.

  • Geringfügige Beschäftigung (Minijob)

    Vom Minijob hat jeder schon einmal gehört. Das geringfügig vergütete Jobmodell ist eine interessante Nebenjobvariante für Studierende, die keine Sozialabgaben zahlen möchten.

    Der Minijob wird über die Verdienstobergrenze definiert: Als Minijobber darfst du nicht mehr als 450 € pro Monat verdienen. Eine regelmäßige Überschreitung führt direkt in sozialversicherungspflichtige Arbeitsverhältnisse. „Unschädlich“ dagegen ist es, wenn tatsächlich einmal ungeplant die 450 €-Grenze überschritten wird. In bis zu drei Monaten pro Jahr ist das möglich. So kannst du beispielsweise kurzfristig den kranken Kollegen vertreten. Einziger Wermutstropfen: Ab einem Verdienst von über 450 € kannst du nicht mehr in der Familienversicherung verbleiben.

    Beim Minijob führt der Arbeitgeber einen Pauschalbeitrag an die Krankenversicherung ab, sofern der Arbeitnehmer – also du – gesetzlich krankenversichert ist. Auch ein Pauschalbetrag für die Rentenversicherung ist zu entrichten. Der zahlt zwar auf die Rentenansprüche ein, berechtigt aber nicht dazu, andere Leistungen der Rentenversicherung einzufordern – wie Rehabilitationsmaßnahmen oder Invaliditätsrenten. Dazu müsste der Minijobber den Arbeitgeberanteil aus eigener Tasche aufstocken.

    Als Minijob gelten alle Arbeitsverhältnisse, die auf eine regelmäßige Beschäftigung und Bezahlung ausgelegt sind – das unterscheidet sie von den kurzfristigen Beschäftigungen. Zwischen dem Minijob und der normalen Anstellung gibt es noch eine Gleitzone („Midijob“). Liegt der monatliche Verdienst zwischen 451 € und 850 €, werden verringerte Beitragssätze erhoben.

  • Jobben nach dem Studienabschluss

    Studium erfolgreich beendet – und jetzt? Vor allem ändert sich nach dem Studienabschluss einiges in Sachen Kranken- und Sozialversicherung für dich.

    Solange du immatrikuliert bist, besteht deine Krankenversicherung unverändert weiter. Nach Ende der Immatrikulation steht dir die Welt offen. Für alle Möglichkeiten – vom Promotionsstudium im Ausland bis zur Weltreise, vom Praktikum oder Volontariat bis zu einer Zeit der Jobsuche – gibt es passende Angebote. Lass dich von uns individuell beraten, um auch in dieser Phase des Umbruchs gut abgesichert zu sein.

    Berufseinstieg mit der gesetzlichen Krankenversicherung 

    Wer nach dem Studium gleich erfolgreich in eine Festanstellung startet, muss sich in aller Regel gesetzlich krankenversichern. Außer, er hat richtig gut verhandelt – die Grenze, bis zu der diese Versicherungspflicht besteht, liegt derzeit nämlich bei einem jährlichen Bruttoeinkommen von 64.350 €. Wer mehr verdient, kann sich wahlweise auch privat versichern.

    Sonderregeln für Selbstständige

    Freiberufler und Selbstständige haben ebenfalls die Wahlfreiheit zwischen gesetzlicher und privater Krankenversicherung. Du kannst außerdem wählen, ob du zudem in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen willst – oder lieber jeden Cent in dein eigenes Unternehmen steckst.

 

Das Praktikum

So, wie auch der Mindestlohn nicht für alle Praktika gilt, gilt auch die Sozialversicherungspflicht abhängig vom Praktikumsgrund: freiwillig – oder Pflicht?

In vielen Studien- und Prüfungsordnungen sind Pflichtpraktika vorgeschrieben. Je nach Zeitpunkt, zu dem du dein Praktikum absolvierst, gelten unterschiedliche Regelungen:

 

  • Zwischenpraktikum als Pflichtpraktikum

    Ein „Zwischenpraktikum“ wird irgendwann während des Studiums absolviert. Während der Praktikumszeit sind Studierende in allen Bereichen der Sozialversicherung versicherungsfrei, unabhängig von der Wochenarbeitszeit. Lediglich die sonst üblichen Beiträge zur Krankenversicherung fallen an. Ab einem Verdienst von über 415 € kannst du allerdings nicht mehr in der Familienversicherung verbleiben.

  • Vor- oder Nachpraktikum als Pflichtpraktikum

    Während dieser vor oder nach dem Studium stattfindenden Praktika ist der Praktikant in der Regel noch nicht oder nicht mehr immatrikuliert. Grundsätzlich besteht daher eine Versicherungspflicht in allen Zweigen der Sozialversicherung, unabhängig vom Verdienst. Allerdings trägt bei einem monatlichen Lohn von null bis 325 € der Arbeitgeber allein die Beiträge zu Renten- und Arbeitslosenversicherung. Die Krankenversicherung muss ein unbezahlter Praktikant selbst bezahlen; hier wird er wie ein Student eingestuft. Bei einem bezahlten Praktikum mit bis zu 325 € Verdienst trägt der Arbeitgeber auch die Beiträge zur Krankenversicherung vollständig. Wer im Praktikum mehr als 325 € bekommt, muss jeweils 50 % aller Sozialversicherungsbeiträge übernehmen.

  • Freiwilliges Praktikum

    Wer sich beim Praktikum nicht auf Vorschriften in seiner Ausbildungs- oder Studienordnung berufen kann, gilt als freiwiiliger Praktikant. Arbeitet er umsonst, besteht keine Sozialversicherungspflicht. Ab dem ersten Euro aber wird das Praktikum wie ein Studentenjob eingestuft und es gelten die Regelungen für die kurzfristige oder geringfügige Beschäftigung.

14 Fragen – 14 Antworten

Ein Praktikum ist ein wenig von allem: Man lernt mitunter wie in der Schule. Man arbeitet (fast) wie ein normaler Angestellter.

Und hoffentlich macht es so viel Spaß, dass es eine willkommene Abwechslung ist. Hier erhältst du Antworten auf die wichtigsten Fragen rund um das Praktikum.

  • 1. Warum überhaupt ein Praktikum?

    Das Praktikum ist tatsächlich unersetzlich um herauszufinden, welcher Job einen begeistern könnte. Doch es geht nicht nur um das Hineinschnuppern – nein, als Praktikant lernst du auch wichtige Skills für dein späteres Berufsleben. Zum Beispiel: Wie gehe ich mit Vorgesetzten und Kollegen um und wie kommuniziere ich mit Kunden oder Dienstleistern? Und wie reagiere ich, wenn ich einen Fehler gemacht habe? Denn du wirst Fehler machen und das ist auch notwendig, um sich weiter zu entwickeln. Praktika sind auch aus diesem Grund inzwischen oft eine wichtige Voraussetzung für eine erste Festanstellung. Die sich – mit viel Glück – in deinem von dir begeisterten Praktikumsunternehmen ergeben könnte.

  • 2. Wie viele Praktika werden verlangt?

    Früher war ein Abiturient mit einem Praktikumszeugnis eine Ausnahme – heute wird das ganz selbstverständlich erwartet. Wähle genau aus, wo und in welchem Berufsfeld du Praktika machst. Wer heute in der Bäckerei, morgen bei der Kanzlei und übermorgen in der Autowerkstatt Praktikant ist, wirkt völlig ziellos. Zwei bis drei gute, zielgerichtete Praktika im Lebenslauf sind ideal.

  • 3. Welche Praktikumsdauer ist optimal?

    Ein Praktikum sollte mindestens drei Monate dauern, damit man auch wirklich mitarbeiten kann. Die ersten Wochen ist man schließlich mit Fragen und dem Kennenlernen der Abläufe beschäftigt. Bis zu sechs Monate sind sinnvoll, danach wiederholen sich die Aufgaben, da man eben doch keine vollwertige Arbeitskraft ist.

  • 4. Bekomme ich immer ein Praktikumsgehalt?

    95 % aller Praktika sind heute vergütet – und das ist eine enorme Steigerung. Noch 2011 waren 40 % unbezahlt. Und nicht nur das: Auch die Höhe des Praktikumsgehalts ist deutlich gestiegen und liegt heute meist zwischen 400 und 800 €. Rund ein Viertel der Unternehmen lässt sich die studentische Arbeitskraft über 800 € pro Monat kosten . Der seit Januar 2021 gesetzlich festgesetzte Mindestlohn von 9,50 € pro Stunde gilt nur für Praktika, die freiwillig sind (also keine Pflichtpraktika im Rahmen des Studiums) und länger als drei Monate dauern. Auch Schülerpraktikanten sind von der Regelung ausgenommen, sofern sie minderjährig sind.

  • 5. Wann ist die beste Zeit für das Praktikum?

    Am einfachsten lässt sich während des Studiums – vor allem ab dem dritten Semester – ein Praktikumsplatz finden. Viele Unternehmen halten Schüler oder Schulabsolventen vor Studienbeginn für zu jung, um komplexe Aufgaben übernehmen zu können. Nach dem Studium wirst du noch schwerer an einen Praktikumsplatz kommen: Eine Reihe Unternehmen unterstützt heute das Konzept „fair company“ und vergibt an junge Akademiker nur Arbeits-, aber keine Praktikumsplätze.

  • 6. Welche Qualifikation muss ich für ein Praktikum mitbringen?

    Das hängt stark vom Unternehmen ab. Manche besetzen Praktika im Controlling nur mit fortgeschrittenen Studierenden mit Studienschwerpunkt Controlling – weil diese richtig mitarbeiten können. Andere geben Praktikanten die Möglichkeit, sich mit dem Berufsalltag und dem gewünschten Beruf erstmal vertraut zu machen, also relativ entspannt hineinzuschnuppern – dann sind Vorkenntnisse nicht so wichtig. Grundsätzlich gilt: Gute Noten sind schön, Vorwissen ist hilfreich. Der wichtigste Faktor bei der Praktikantenauswahl ist für viele Personalmanager aber die Fähigkeit zur Teamwork.

  • 7. Wie finde ich einen Praktikumsplatz?

    Die meisten großen Onlinestellenbörsen wie stepstone.de oder monster.de besitzen einen Filter für Praktika; ebenso die Crawler wie Indeed. Es gibt spezielle Praktikumsmessen und oft hängen die Unternehmen in den Hochschulen Gesuche aus. Der nächste Schritt ist ein kurzer Anruf beim Unternehmen, um zu erfahren, welche Form von Bewerbung gewünscht ist – und dann los!

  • 8. Werden Praktikanten nicht nur ausgenutzt?

    Der Tag beginnt mit Kaffeekochen für das ganze Team und endet mit drei Stunden am Kopierer … so sehen schlechte Praktika aus. Tatsächlich werden in manchen Firmen Angestellte durch Praktikanten ersetzt. Kläre vor Praktikumsbeginn, ob du einen eigenen Arbeitsplatz bekommst, ein Arbeitszeugnis, Feedbackgespräche und eigene (Teil-)Projekte. Lautet die Antwort auf mehrere oder alle Fragen „Nein“, wird dir das Praktikum vermutlich nur Frust bescheren. Kaffeekochen an sich ist aber keineswegs schlimm – wenn es jeder der Kollegen einmal macht. Und durch einen guten Kaffee kannst du auch zeigen, dass dir die gute Stimmung im Team wichtig ist.

  • 9. Wie viele Stunden pro Woche muss ich arbeiten?

    In der Regel haben Praktikanten normale Arbeitszeiten: zwischen 37,5 und 40 Stunden pro Woche. Das ist auch gut so! So bekommst du alle Abläufe und Meetings mit und erfährst, wie sich ein normaler Acht-Stunden-Tag anfühlt.

  • 10. Ist ein Praktikum in einem großen Unternehmen mehr wert?

    Es gibt bestimmte Firmennamen, die glänzen in einem Lebenslauf geradezu. In den kleinen Unternehmen dürfen Praktikanten dagegen oft viel mehr Verantwortung übernehmen und werden vielseitiger eingesetzt. Das wissen Personaler. Neben dem Namen sind daher der Aufgabenbereich und das Zeugnis wichtig. Am besten, man absolviert einmal in einer kleinen, einmal in einer großen Firma ein Praktikum – dann weiß man auch, was einem mehr Spaß macht.

  • 11. Sind Initiativbewerbungen für ein Praktikum sinnvoll?

    Viele Praktikantenstellen sind nicht oder noch nicht ausgeschrieben. Vor der Bewerbung sollte aber abgeklärt werden, ob das gewählte Unternehmen generell überhaupt Praktikanten beschäftigt. Also: anrufen!

  • 12. Bekomme ich nach dem Praktikum einen Job im Unternehmen?

    Es gibt kaum eine bessere Möglichkeit als ein Praktikum, um einem Unternehmen zu zeigen, was du draufhast. Die Firma sieht über mehrere Wochen hinweg, wie schnell du dich einarbeitest und wie du mit den Kollegen umgehst. Wenn es gut passt, kann daraus später ein Job werden – aber natürlich nur, wenn überhaupt Jobs im relevanten Bereich frei sind.

  • 13. Ist ein Praktikumszeugnis wichtig?

    Wenn du kein Zeugnis erhältst, hast du zwar nicht umsonst gelernt, aber bringen wird dir dein Praktikum bei Bewerbungen dann nicht viel. Lass dir daher auf jeden Fall ein professionell gestaltetes, ausführliches Praktikumszeugnis ausstellen, in dem alle deine Aufgaben aufgelistet sind.

  • 14. Was mache ich, wenn ich ein schlechtes Praktikum erwische?

    Was ist denn ein schlechtes Praktikum? Stellst du fest, dass dir die Aufgaben nicht liegen, dann sprich das bei deinem Vorgesetzten an. Wenn du nicht todunglücklich bist, schuldest du es dir und deinen Kollegen, dennoch dein Bestes zu geben und die Arbeit nicht schleifen zu lassen. Auch im Arbeitsleben ist nicht alles ein Zuckerschlecken. Ist es ein schlechtes Praktikum, weil du nichts tust als Kaffeekochen und Kopieren, dann sprich auch das an. Und wenn nichts geändert wird – darfst du auch „kündigen“. Schließlich willst du ja etwas lernen!