Welcher Lerntyp bist du?

Lernen will gelernt sein, denn jeder Mensch lernt auf seine Art und Weise. Du wirst sicherlich schon oft gemerkt haben, dass du im Unterricht des einen Lehrers nichts verstanden und gelernt hast, bei einem anderen Lehrer hingegen fiel es dir leicht, alles mitzubekommen.

Warum ist das so? Was geschieht überhaupt in unserem Kopf beim Lernen? Warum fällt es einem manchmal so schwer, Dinge zu behalten?

Lernen – im Kopf

Was passiert beim Lernen in unserem Kopf und was hat das mit Gedächtnissen zu tun?

 

  • Wie ist das mit dem Gedächtnis?

    Unser Gehirn verarbeitet jede Sekunde gewaltige Mengen an Daten. Die meisten davon werden umgehend wieder gelöscht. Ins Kurzzeitgedächtnis gelangt nur, was das Gehirn mit bereits gespeichertem Vorwissen verknüpfen kann. Aber auch hier wird der größte Teil an Informationen nach 20 Minuten wieder vergessen.

    Woran wir uns nach rund einer Stunde noch erinnern, ist ins Langzeitgedächtnis übertragen worden. Genau dieser Vorgang ist für ein effektives Lernen wichtig.

  • Was geschieht beim Lernen in unserem Gehirn?

    Wenn wir lernen, herrscht Hochbetrieb im Gehirn. Sinnesreize aktivieren Synapsen im Gehirn. Über diese Verbindungsstellen werden Informationen an die Nervenzellen geleitet. Je höher die Zahl der aktiven Synapsen, desto größer der Lernerfolg. Wenn möglichst viele Nervenzellen am Lernprozess beteiligt sind, sorgen sie für eine tiefere Verankerung der Informationen im Gehirn. Dabei werden die unterschiedlichen Regionen des Gehirns stimuliert. Je vernetzter die Verbindungen zwischen den Gehirnhälften sind, desto leichter und erfolgreicher ist das Lernen. Die linke Gehirnhälfte ist für das analytische, vernunftbetonte, aber auch für das kommunikative Verhalten zuständig. Die rechte Gehirnhälfte verantwortet unsere Gefühle, die Kreativität und die Intuition.

    Zusätzlich hat unser Gehirn verschiedene Gedächtnisse. Diese Gedächtnisse hängen mit den Sinnen zusammen und das Gehirn merkt sich Informationen eher, die durch mehrere Sinne aufgenommen worden sind. Mehr als 80 % der Informationen werden direkt gespeichert, wenn sie haptisch, akustisch und visuell aufgenommen werden. Deshalb gilt:

    • Lernen über nur ein Sinnesorgan: einfache Speicherung
    • Lernen über mehrere Sinnesorgane: verbesserte Speicherung


    Genauso wichtig sind Wiederholungen. Dadurch werden die Synapsen immer wieder aufs Neue aktiviert. Regelmäßiges Wiederholen ist effektiver als einmaliges Auswendiglernen.

Es gibt nicht nur ein Gedächtnis

Wir haben verschiedene Gedächtnisse, die mit unseren Sinnen zusammenhängen: auditiv, visuell, haptisch und kommunikativ. So gibt es auch verschiedene Lerntypen. Insgesamt werden vier Lerntypen unterschieden: der auditive, der visuelle, der haptische und der kommunikative Lerntyp.

Aber kein Mensch ist nur ein bestimmter Lerntyp. Deshalb ist es wichtig, letztendlich alle Sinneskanäle zu nutzen, um Erlerntes wirklich gut zu behalten.

Die verschiedenen Lerntypen

Im Folgenden stellen wir dir die unterschiedlichen Lerntypen und passende Tipps vor.

  • Du bist ein auditiver Lerntyp

    Du lernst am besten, indem du gehörte Informationen aufnimmst und verarbeitest. Du verstehst am besten, was dir der Lehrer erklärt, wenn du zuhörst. Zu einem Schaubild an der Tafel brauchst du immer auch die mündliche Erklärung, damit es für dich nachvollziehbar wird.

    Tipps fürs Lernen als auditiver Lerntyp

    • Lies dir Texte laut vor, statt sie leise zu lesen.
    • Versuche deine Hausaufgaben als Vortrag zu erledigen und diesen vor einem Spiegel zu halten. Du hörst, ob du Fehler machst oder ob alles stimmt.
    • Führe Selbstgespräche beim Lernen. Das klingt schräg, hilft dir aber, dir den Lernstoff selber zu erklären.
    • Nimm mit deinem Smartphone eine „Lernkassette“ auf. Du erklärst dir selbst den Lernstoff.
    • Achte auf eine angenehme Geräuschkulisse. Auditive Lerntypen sind sehr anfällig für negative Geräusche. Am besten ist natürlich Ruhe.
  • Du bist ein visueller Lerntyp

    Du lernst am besten, wenn du Informationen liest oder dir Bilder und Grafiken anschaust. Tafelbilder oder Diagramme zu verstehen fällt dir nicht schwer. Mit mündlichen Erklärungen tust du dich schwerer. Du liest gerne; bei Hörbüchern verlierst du eher den roten Faden.

    Tipps fürs Lernen als visueller Lerntyp

    • Versuche im Unterricht möglichst viel mitzuschreiben. So kannst du den Lernstoff in Ruhe noch einmal nachlesen.
    • Erstelle Skizzen, Mindmaps oder Diagramme. Versuche den Lernstoff in Bilder zu fassen. So erkennst du eher Zusammenhänge. Im Internet findest du zu nahezu allen Inhalten Schaubilder oder Grafiken.
    • Schreibe den Lernstoff in eigenen Worten auf Karteikarten. Nicht nur Lesen, sondern auch Schreiben hilft dir, den Stoff zu behalten. Hier findest du weitere Tipps zu Lerntechniken.
  • Du bist ein haptischer Lerntyp

    Du lernst am besten, wenn du Abläufe selbst durchführst oder genau beobachten kannst, wie etwas gemacht wird. Du möchtest am Lernprozess direkt beteiligt sein, selber Erfahrungen sammeln und eigenständig Schlüsse daraus ziehen. Für dich gilt: Learning by doing. Experimente in naturwissenschaftlichen Fächern sind für dich die besten Lernquellen.

    Tipps fürs Lernen als haptischer Lerntyp

    • Versuche Lernmaterialien zum Anfassen zu bekommen. Experimentierkästen oder Modelle, aber auch Scrabble-Steine helfen dir, Grammatik, Vokabeln oder Rechtschreibung zu lernen.
    • Spiele mit dem Lernstoff. Versuche so viele Dinge wie möglich aus dem Unterricht in deine Freizeit einzubauen.
    • Lerne durch Bewegung. Lauf im Zimmer auf und ab, wenn du Vokabeln lernst. Wiederhole den Lernstoff beim Spazierengehen. Beschäftige deine Hände beim Lernen, in dem du z. B. mit einem Ball spielst oder mit einem Stift zwischen den Fingern.
  • Du bist ein kommunikativer Lerntyp

    Du lernst am besten mit anderen. Du brauchst Diskussionen und Gespräche. Erst im Dialog ergeben sich für dich Zusammenhänge und Bedeutungen. Erklärungen verstehst du am besten, wenn du mit anderen darüber sprichst.

    Du kannst nicht gut alleine lernen. Du brauchst jemanden, der dir widerspricht oder eine andere Meinung vertritt, damit du dein Wissen vertiefen und überprüfen kannst.

    Tipps fürs Lernen als kommunikativer Lerntyp

    • Lerne möglichst nicht alleine. Lerne mit Freunden, bildet eine Lerngruppe.
    • Wenn du ein Problem hast, sprich mit Eltern, Geschwistern oder Freunden darüber und versuche im Gespräch das Problem für dich zu lösen.
    • Arbeite mit Rollenspielen, wie einem Interview, in dem du über den Lernstoff sprichst.
    • Rede über den Lernstoff, bevor du Hausaufgaben machst. Diskutiere mit anderen über den Stoff und mach dir ein Bild von dem, was zu bearbeiten ist.
    • Spiele ein Quiz mit Freunden. Formuliere Fragen zum Lernstoff und beantwortet sie in der Gruppe.

Die Tipps für die unterschiedlichen Lerntypen findest du hier nochmal übersichtlich zusammengestellt.


Dein innerer Lernrhythmus



Kein Mensch ist rund um die Uhr produktiv. Jeder Mensch hat seinen Produktivitätsrhythmus. Es gibt Schülerinnen und Schüler, die lernen morgens besonders effektiv, sind konzentriert und aufnahmefähig.

Es gibt andere, die laufen erst am späten Nachmittag zur Höchstform auf. Jeder Mensch hat einen eigenen Biorhythmus.

  • Passe deinen Tagesablauf und dein Lernpensum deinem Biorhythmus an.
  • Finde deinen eigenen Rhythmus.
  • Sorge in leistungsschwachen Zeiten für Ausgleich und Entspannung. Nur dann bist du in leistungsstarken Zeiten aufnahmefähig.
  • Lege schwierige Themen und komplexe Lerninhalte in deine „starken“ Zeiten.
  • Dein Biorhythmus ändert sich im Laufe deines Lebens. Überprüfe ihn immer wieder.